Historie - die Geschichte unseres Vereins

Karneval in Bütgenbach

Endstehung und Geschichte der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiss Bütgenbach

Als im Jahre 1945 mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Krieg zu Ende war, und Zerstörung und Verwüstung der Vergangenheit angehörten, mussten schnellstens mit primitiven Mitteln die größten Schäden behoben werden. Es herrschte eine große finanzielle Not. Mit der Entwertung der bis dahin gültigen Reichsmark und der Neueinführung der belgischen Währung, war unser Gebiet mittellos. Aus jener Zeit stammt auch der Ausspruch unseres lustigen Mitbürgers Karl Brüls zu Dr. med. Hilgers:
„Emil, der Herr hat uns gleichgestellt“!

Eines aber hatte selbst der Krieg nicht ausrotten können und dies war der ureigene Humor und der Drang zur Fröhlichkeit. Es gab Arbeit in Hülle und in Fülle. Die Wälder waren durch Granaten, Bomben und Kampfgeschehen schwer geschädigt. Der Holzhandel erblühte. Der Stundenlohn eines Waldarbeiters betrug 12,00 bis 14,00 Fr. Von morgens früh bis abends spät, waren fleißige Hände dabei, sich in dieser Weise, vom Nullpunkt ausgehend, eine finanzielle Basis zu schaffen.

Zwar waren jene, die vor 1940 auf belgischen Banken eingespart hatten und dieses Geld der Bank weiterhin anvertrauten, in der glücklichen Lage, ihre Ersparnisse voll zu besitzen.

Wer also am 1. Juni 1940, 100.000,00 Fr. auf dem belgischen Sparbuch hatte, erhielt im Kurs 10 zu 1, 10.000,00 Reichsmark im Sparguthaben. Die im Kriege, also zu deutscher Zeit erworbenen Guthaben, wurden 1945 wie folgt geregelt. (Finanzminister Gutt)

5,00 B.F. für 1 Reichsmark für die 2 ersten 1.000,00 RM

4,00 B.F. für 1 Reichsmark für die 3 nächsten 1.000,00 RM

3,00 B.F. für 1 Reichsmark für die 3 nächsten 1.000,00 RM

2,00 B.F. für 1 Reichsmark für die 3 nächsten 1.000,00 RM

Und letztendlich 1,00 BF für die restlichen Guthaben.

Die Gebiete Eupen-Malmedy-St.Vith, hatten zwar als Neubelgier den Krieg als Sieger beendet, aber vielfach alles verloren. Eine Welle der Säuberung und der Vergeltung brachte unzählige, oft harmlose Menschen in Internierungslager und hinter Gitter. Der Rehabilitierungsprozess verlief sehr langsam und die politischen Gefangenen unserer engeren Heimat hatten ein schweres Los.

Viele junge Männer waren im sinnlosen Krieg gefallen, ein Großteil verwundet und sehr viele in Gefangenschaft. Einer aber, hatte selbst der Krieg nicht ausrotten können, und dies war der ureigenen Humor und der Drang zur Fröhlichkeit. Man freute sich wieder des Lebens. 1945 kehrten die ersten Kriegsgefangenen nach Haus und auch die Gefängnistore öffneten sich langsam, sodass sich schnell wieder sinnesgleiche Freunde trafen und planend in die Zukunft blickten. Das total zerstörte Vereinsleben erwachte wieder in Neugründungen.

So zum Beispiel waren es auch Gleichgesinnte lustige Gesellen, die bereits an den Karnevalstagen 1946, in primitiven Kostümen, mit Hand- und Mundharmonika, mit Trommel und Waschbrett, die ersten fröhlichen Lieder zum Karneval erschallen ließen.

Man ging von Haus zu Haus, sammelte Speck und Eier und wenn zufällig der Tisch gedeckt war, wurde auch mit gutem Appetit und für ein „Dankeschön“ fleißig gefuttert.

Man trank hier ein Bierchen und dort ein Schnäpschen und manchmal ging’s auch umgekehrt, sodass die Narrengruppe einschenkte.

Am späten Abend traf mach sich in der Gastwirtschaft Josef Brüls-Schleck, wo Eier und Speck zur Frikassé verwandelt wurden. Dies war übrigens auch schon Tradition vor dem Kriege. Bis zum Jahre 1950 wurde in dieser Weise Karneval gefeiert. In der Zwischenzeit hatten sich auch wieder unsere Gastwirtschaften und die beiden Ortssäle neu eingerichtet. Sie hatten vielfach als Behelfsunterkunft für Totalgeschädigte Mitbürger zur Verfügung gestanden.

Bütgenbacher Karnevalisten durchzogen 1946 bereits Büllingen, und brachten ein wenig Frohsinn in das Trümmerfeld unserer so schwer zerstörten Nachbargemeinde. Als einziger Büllinger war es Mathias Lemaire, der mit uns zog. Dann ging es per Auto und dem Bäckermeister Rudi Berger nach Weywertz, Nidrum und Sourbrodt. Mit jedem Jahr erweiterte sich der Kreis der frohen Schar, die den Grundstein zur Gründung der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiss gelegt hat.

Im Jahre 1946 veranstalteten die Karnevalsfreunde bereits die erste Kappensitzung im Lokal Ludwig Heck. Das Lokal war sehr klein da es zur Hälfte noch als Behelfswohnung diente. Als Hauptatraktion des Abends, war Leo Pauquet aus Eupen verpflichtet worden. Er war Clown, Büttenredner und Ansager zugleich.

An die dreißig Personen hatten sich eingefunden, als plötzlich der Feldhüter Konrad Schumacher erschien und die Genehmigung der Veranstaltung untersagte. Ein Blitzbesuch bei Bürgermeister Georg Schindfessel rettete die Situation und wir mussten noch am selben Abend die Verpflichtung eingehen, eine Namensliste von mindestens 18 Mann, mit eidesstattlicher Erklärung zum Beitritt in die Feuerwehr Bütgenbach, zu überbringen. Seine Worte „Gründet mal zuerst eine freiwillige Feuerwehr, dann könnt ihr auch Eure Kappensitzung halten.“ Alle anwesenden Jungmänner unterschrieben die Beitrittserklärung und als wir dem Bürgermeister die Liste überbrachten, bedankte er sich herzlich und wünschte uns bei einem guten Glase Wein in seiner Wohnung viel Glück und guten Erfolg.

Im Jahre 1947 fand dann die zweite Kappensitzung im Lokal Josef Brüls statt. Hier hatten wir neben Leo Pauquet (als Eupens lachender Barbier) auch Leonard Kohl aus Kelmis, genannt NADES mit von der Partie.

In den folgenden Jahren fanden sich die ersten mutigen einheimischen Büttenredner ein und im Jahre 1950 übernahm Hugo Klubert im neugegründeten Karnevalskomitee die Leitung und die Steuerung des Bütgenbacher Karnevals mit allen Veranstaltungen.

Unter seiner Führung wurden auch die ersten Preiskostümbälle eingeführt, in deren Verlauf sehr oft wunderschöne Kostüme und Gruppen zu sehen waren. Geheim gehaltene Preisrichterermittelten die Sieger.

Doch, der Preiskostümball war meistens ein Defizit-Geschäft und deshalb ist dieser im Veranstaltungskalender nicht mehr aufgeführt. Im Jahre 1982 rief der Verkehrsverein Bütgenbach das Seefest am Bütgenbacher See ins Leben. Schon 1983 übertrug der Verkehrsverein freundlicherweise dieses Fest der Karnevalsgesellschaft, die hier ein Großteil ihrer finanziellen Mittel zur Sicherung ihres großartigen Rosenmontagszuges erwirtschaftet.

Vorläufer der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiss Bütgenbach war das „Karnevalskomitee“.

Anlässlich einer Generalversammlung des Verkehrsvereins Bütgenbach im Jahre 1950, war es Wilhelm WEYNAND, Präsident des Musikvereins der das erste Wort für einen geordneten Karneval in Bütgenbach aussprach. Seine Anregungen und Vorschläge fanden regen Beifall. So wurde kurz danach eine Versammlung zur Gründung eines Karnevalskomitee einberufen. Der Musikverein, die Feuerwehr, der Kirchenchor, der Turnverein und die damals bestehende K.G. Hühnermarkt waren bei dieser Versammlung vertreten;
Aus diesen Vereinen wurden folgende Mitglieder in dieses Komitee gewählt:

Vom Musikverein: die Herren Wilhelm Weynand
Hubert Cremer
Von der Feuerwehr: “    “     Alfred Schleck
Bernhard Reuter
Vom Kirchenchor: “    “     Stephan Cremer
Johann Hellebrandt
Vom Turnverein: “    “     Werner Reuter
Josef Sonnet
K.G. Hühnermarkt: “    “     Klaus Richter
Als Ehrenberater: “    “     Alfred Thunus
Josef Brüls
Zum Präsidenten wurde ernannt: Hugo Klubert
Zum Schriftführer wurde ernannt: Alfred Schleck
Zum Kassierer wurde ernannt:     Johann Hellebrandt.



Die erste finanzielle Unterstützung wurde seitens des Musikvereins angeboten und zwar in einer Anleihe von 10.000,00 Fr. So konnte der erste Karnevalszug in der Nachkriegszeit mit der Beteiligung aller Vereine bereits 1951 durch die Straßen Bütgenbachs ziehen. Als ganz besonderes Ereignis, dass sich bisher nicht wiederholt hat, war die streng geheim gehaltenen Präsentation des Karnevalsprinzen Bernard I., der in einem Prunkwagen mit Paginnen und Tanzmariechen und einer Ehrengarde vom Turnverein dem ersten Karnevalszuge eine besondere Note verlieh.

Bei der anschließenden Abrechnung, konnte bereits die Anleihe an den Musikverein zurückgezahlt werden. Erwähnenswert sind die Gründer: W.Weynand, H.Cremer, A.Thünüs, H.Klubert, A.Schleck, J.Hellebrandt und J.Sonnet.

Neu Vereine gründeten sich und entsandten ihre Delegierten in das Karnevalskomitee. Für den Spielmannszug kamen Hans-August Hilgers und Jakob Fuhrmann, für die KLJ, Heinz Kaulmann und für den Stoppclub Ludwig Wey und Herbert Reinertz, hinzu.

1952 veranstalteten wir die erste Kappensitzung. Da zu dieser Zeit hiesige Büttenredner Mangelware war, mussten wir auswärtige und zum Teil hochgradige Künstler verpflichten. Doch in den folgenden Jahren wagten auch einheimische Büttenredner und Humoristen sich auf die Bühne. Zu erwähnen wären da als erste Büttenredner: Alfons Fuhrmann, Werner Heck, Rainer Van Heeswijk, Herbert Heck, Josef Brandenburg und Herbert Linden, die uns jahrelang die Treue hielten. Nicht zu vergessen und dankend erwähnt sei der immer humorvolle Franz Magrève aus Schoppen, der über viele Jahre hinweg den Bütgenbacher Kappensitzungen viel Glanz erbracht hat.

In dieser Zeit wurde auch ein Preiskostümball eingeführt und die schönsten Kostüme prämiert. In den ersten Jahren zog der Rosenmontagszug auch durch die Ortschaft Berg, was aber später eingestellt wurde, da die Beschädigungen durch Sturm und Transport besonders im Warchetal, sehr groß waren.

Das Karnevalskomitee, unter Präsident Hugo Klubert, hat also den Grundstein für die heutige Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Bütgenbach gelegt, und eine bedeutende Vorarbeit geleistet;

Die anfänglich gute Zusammenarbeit aller Dorfvereine im Karnevalskomitee begann leider langsam zu bröckeln und immer mehr Vereinsdelegierte zeigten kein großes Interesse mehr an der Mitarbeit.

Im Oktober des Jahres 1957 fand im Hotel Thomas-Klubert eine Versammlung statt, deren Zweck, die Gründung einer eigenständigen Vereinigung war. Diese erhielt die Bezeichnung: „Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß v.1957, Bütgenbach ". Hugo Klubert blieb im Amt als Präsident, und Alfred Schleck war bereit, den Doppelposten Kassierer und Schriftführer zu übernehmen. Als 2. Schriftführer fungierte Josef Sonnet. Desweiteren waren im Vorstand vertreten: Richter Klaus, Theissen Nikolaus, Reinertz Ernst, Brüls Norbert, KaulmannHeinz, Henz Georg und Ludwig Wey.
Seit dieser Zeit kann sich der Verein, Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Bütgenbach, als fester Bestandteil der Bütgenbacher Vereinswelt erfreuen.
Am 2.Juni 1978 wurde dann vor dem Notar Doctor juris Erwin Maraite, eine „Gesellschaft ohne Erwerbszweck" unter dem Namen „Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Bütgenbach " gemäß dem Gesetz vom siebenundzwanzigsten Juni neunzehnhunderteinundzwanzig gegründet und deren Statuten im Staatsblatt vom 7. September 1978 unter N° 7900 veröffentlicht wurden.

Kapitel I, Artikel 3 der Satzung beschreibt die Zielsetzung der Vereinigung:
Die Gesellschaft bezweckt die Unterstützung bei der Durchführung und der Vorbereitung der traditionellen karnevalistischen Festlichkeiten und die aktive Beteiligung an denselben, unter Ausschluss aller Tätigkeiten die der gemeinnützigen Zielsetzung zuwiderlaufen. Ziel der Gesellschaft ist ebenfalls die Förderung der Geselligkeit sowie die Durchführung von karnevalistischen Veranstaltungen aller Art für Mitglieder und/oder Nichtmitglieder, sowie Förderung und Pflege des Humors. Jedwede, direkt oder indirekt politische Zielsetzung ist ausgeschlossen. Es ist der Gesellschaft ebenso untersagt, sich mit weltanschaulichen Problemen zu befassen.
Am Tage der Unterzeichnung (am 2.6.1978) traten die Erschienenen zu einer ersten außerordentlichen Generalversammlung zusammen und einstimmig wurden ernannt:

zum Präsidenten: Herr Klaus RICHTER
zum Vize-Präsidenten:     Herr Josef SONNET
zum Schriftführer: Herr Reinhold RITTER
zum Kassierer: Herr Josef RITTER
zum Zeugwart: Herr Helmuth Schleck
zum ersten Beisitzer: Herr Adolf WAHLEN
zum zweiten Beisitzer: Herr Ewald WEY
zum dritten Beisitzer: Herr Karl-Heinz HECK
zum vierten-Beisitzer: Herr Gerhard RICHTER
zum Marketender: Herr Franz Grosjean & Herrn Karl-Heinz PEIFFER
Mitglieder des Organisationskomitees: Die Herrn Manfred LINDEN, Hubert SCHMITZ und Hermann-Josef BRULS.